Schweizer sinfonik
Einheimisches Musikschaffen neu entdeckt
Marguerite Roesgen-Champion
1894 (GENF) – 1976
Marguerite Roesgen-Champion war eine Ausnahmekomponistin. Ganz abgesehen davon, dass sie sich in einem auch im 20. Jahrhundert noch immer stark männlich dominierten Berufsfeld durchzusetzen vermochte, gehörte sie zu den treibenden Kräften der Wiederentdeckung der spätbarocken Tradition und des Cembalos als Solo-Instrument. Roesgen-Champion veröffentlichte über 300 Werke unterschiedlichster Gattungen, gab Instrumentalunterricht in Genf und Paris und war zudem als virtuose Tastenkünstlerin in ganz Europa gefragt.
In Genf studierte sie bei Marie Panthès, Émile Jaques-Dalcroze und Ernest Bloch, ihre Musiksprache wurde aber nicht zuletzt auch massgeblich von den französischen Impressionisten geprägt, allen voran von Claude Debussy und Maurice Ravel. Von Roesgen-Champions Können zeugen zahlreiche Aufnahmen eigener und fremder Kompositionen, die sie unter anderem für das Westschweizer Radio einspielte. Als Solistin begeisterte sie sowohl am Klavier als auch am Cembalo, zu ihren meistaufgeführten Klavierkonzerten gehörten jene von Mozart und Haydn. Die längste Zeit ihres professionellen Lebens verbrachte sie in Paris, wo sie auch als Pädagogin einflussreich wirkte. Sie wurde mit der Ordre des Palmes Académiques ausgezeichnet.
Neben der Musik interessierte sich Roesgen-Champion vor allem für die verschiedenen Weltreligionen und deren verbindende Elemente. Sie bereiste zahlreiche spirituell bedeutende Orte im Nahen und Mittleren Osten und publizierte in den 1960er-Jahren zwei Bücher über die monotheistischen Religionen, die noch heute in vielen theologischen Bibliotheken zu finden sind.

