Sun
24.4.22 19:30
Uhr
Herisau
Reformierte Kirche

Surprise Schweizer Sinfonik

alle konzerte
Tour #
4

Über das Programm

Ein selten aufgeführter Gassenhauer, eine Schweizer Komposition, die es auf die Titanic geschafft hat, die Verschränkung von Russland und der Schweiz sowie ein Hackbrett auf Abwegen – so liesse sich das dritte Saisonkonzert des Swiss Orchestra thematisch zusammenfassen. Doch der Reihe nach.

Der Konzertabend beginnt mit Wolfgang Amadeus Mozarts «Kleinen Nachtmusik», deren erster Satz – womöglich das klingende Symbol klassischer Musik schlechthin – allenthalben bekannt sein dürfte. Die Streicherserenade, die trotz ihrer Bekanntheit erstaunlich selten im Konzertsaal zu hören ist, wird das Swiss Orchestra lebendig-neu erstrahlen lassen.

Paul Hubers «Konzert für Hackbrett und Streichorchester» nimmt das in der Schweizer Volksmusik beliebte Instrument in die klassische Musik auf und schafft damit eine faszinierende Verbindung zwischen traditioneller klassischer und populärer Musik – etwa, wenn das klangschöne Hackbrett mitten in einer spätromantisch inspirierten Orchesterpartie zu einem tänzerischen Ländler anhebt. Solist ist der Hackbrettvirtuose Noldi Alder.

Nach der Pause entführt die «Cavatina» – das wohl bekannteste Stück des Schwyzer Komponisten Joachim Raff, der 2022 seinen 200. Geburtstag feiert – die Zuhörer*innen in die Klangwelten romantischer Musik des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich konzipiert als Teil der «Six Morceaux» für Violine und Klavier, avancierte die «Cavatina» als einzelner Satz zum populärsten Stück von Raff, sodass sie für den Konzertsaal arrangiert wurde und sogar auf der unheilsamen Jungfernfahrt der RMS Titanic 1912 erklang.

Als Schlusspunkt des Abends folgen Auszüge aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskis «Serenade für Streicher», die im Wechsel mit Paul Juons «5 Stücke für Streichorchester» aufgeführt werden. Durch diese aussergewöhnliche Verschränkung einerseits des Russen mit persönlichen Verbindungen in die Schweiz und andererseits des in Moskau geborenen Schweizers mit Graubündner Wurzeln wird das Leitprinzip des Swiss Orchestra, unbekannte Schweizer Kompositionen mit Klassikern der Musikwelt zu verbinden, auf die Spitze getrieben.

Besetzung

NOLDI ALDER, Hackbrett
SWISS ORCHESTRA
LENA-LISA WÜSTENDÖRFER,
Leitung

Konzertprogramm

WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756–1791)
«Eine kleine Nachtmusik», Serenade Nr. 13 für Streicher in G-Dur, KV 525

NOLDI ALDER (1953 URNÄSCH)
Hackbrettwelten
Kafiwasser
De Wedetäcktig
Zitt isch gsiä
Flüch oder i nemmdi
Endspurt

JOACHIM RAFF (1822–1882)
Cavatina aus «Six Morceaux», op. 85 Nr. 3

PIOTR ILJITSCH TSCHAIKOWSKI (1840–1893)
UND PAUL JUON (1872–1940)

Highlights aus der Serenade für Streicher in C-Dur, op. 48 und 5 Stücke für Streichorchester, op. 16

Spielort

Reformierte Kirche

Herisau

Barrierefreiheit

Garderobe

Abendkasse

Einlass

Ermässigungen

Noldi Alder, Hackbrett

Noldi Alder wurde 1953 in Urnäsch in Appenzell Ausserrhoden geboren. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Volksmusik und nahm bereits im Alter von sieben Jahren Geigenunterricht. Nach einer Handwerksausbildung im Mühlenbau und einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Geigenbau, widmete er sich erst im Alter von 35 Jahren wieder vollkommen seiner grossen Leidenschaft und absolvierte ein Studium der klassischen Musik (Hauptfach Violine) bei Paul Giger. Seit 1996 ist Noldi Alder freischaffend in den Bereichen Klassik, Volksmusik, Salonmusik, Komposition und Arrangement tätig. Mit seinem früheren Dozenten und Kollegen Paul Giger gründete er das «Neue Appenzeller Streichmusik-Projekt». Neben Auftritten bei namhaften Festivals, u.a. «Saitenwind» in Wildhaus 2007 und «ARAI 500» in Hundwil 2013, bei denen er überdies die Künstlerische Leitung innehatte, komponiert Noldi Alder auch für Film und Theater. In seinen Konzerten ist er nicht nur an der Geige und mit der Stimme zu hören, sondern spielt auch auf einem traditionellen Hackbrett, welches für ihn insbesondere bei den Improvisationen eine grosse Rolle spielt.
2008 erhielt er den ersten Kulturpreis des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Zudem wurde er 2018 mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet.

Noldi Alder gilt als «Volksmusik-Rebell» und ständiger Erneuerer des traditionellen Naturjodels und der traditionellen Volksmusik. Sein Schaffen, das stets zwischen Tradition und Improvisation oszilliert, ist stark von überlieferten Appenzeller Tänzen und von Naturjodel-Melodien der Zäuerli beeinflusst – den ursprünglichen Klängen aus dem Säntis-Vorland. In Andermatt erklingen sechs Tanzmusik-Stücke, die Noldi Alder komponiert bzw. für Streichorchester arrangiert hat. Mit Ausnahme des Naturjodel «Zitt isch gsiä» handelt es sich hierbei um Tanzmusik-Stücke, welche sich allerdings auch wunderbar für eine konzertante Aufführung eignen.

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