Unerhört! Schweizer Romantik
CHF

Über das Programm
Als August Walter im Frühjahr 1846 gefragt wurde, ob er sich nicht auf die Stelle als Musikdirektor in Basel bewerben wolle, meinte er: «In der Tat hätte ich keine Lust, mich in einer Schweizerstadt zu vergraben, wo […] abends die Kühe vom Feld eingetrieben würden!» Diese kühne Aussage des Stuttgarter Komponisten und Konditorsohns relativierte sich bereits kurze Zeit später, als er das Amt entgegen seiner ursprünglichen Abneigung doch annahm. Und ganz so schlecht schien es Walter in der Schweiz dann doch nicht zu gefallen, verbrachte er schliesslich die restlichen 50 Jahre seines Lebens überwiegend in Basel. Dort war er massgeblich beteiligt am Aufblühen des Musiklebens und setzte sich wiederholt für die Aufführung der Musik seiner Kollegen Hans Huber und Friedrich Hegar ein. Das Bekanntmachen von Musik der Schweizer Klassik und Romantik verbindet ihn mit dem Swiss Orchestra, dessen neustes Programm «Unerhört! Schweizer Romantik» mit Walters spektakulärer Konzert-Ouvertüre in D-Dur öffnet.
Auf diesen hochromantischen Auftakt folgt mit dem Cembalo-Konzert der Genferin Marguerite Roesgen-Champion ein Werk einer absoluten Ausnahmekomponistin. Ganz abgesehen davon, dass sie sich in einem auch im 20. Jahrhundert noch stark männlich dominierten Berufsfeld durchzusetzen vermochte, gehörte sie zu den treibenden Kräften der Wiederentdeckung der spätbarocken Tradition und des Cembalos als Solo-Instrument. Sie veröffentlichte über 300 Werke und war zudem als virtuose Tastenkünstlerin in ganz Europa gefragt. Von ihrem Können zeugen zahlreiche Aufnahmen eigener und fremder Kompositionen, die sie unter anderem für das Westschweizer Radio einspielte. Den Solo-Part beim Konzert des Swiss Orchestra übernimmt mit dem begnadeten Masato Suzuki ebenfalls ein Meister des Cembalos.
Abgerundet wird das Programm mit der 2. Sinfonie von Johannes Brahms, die für dessen Verhältnisse untypisch leicht und zugänglich daherkommt. Er schrieb sie innerhalb von nur wenigen Monaten im Spätsommer 1877. Nach der enorm strapaziösen, insgesamt 14 Jahre dauernden Entstehungszeit seiner ersten Sinfonie muss die Komposition der zweiten wie eine wohltuende Kur gewesen sein. Das hört man der Musik an, denn sie sprudelt – und dafür ist Brahms wahrlich nicht bekannt – geradezu vor Lebensfreude, Wärme und Naturverbundenheit.
Das Konzert vom 19. Mai 2024 in der Andermatt Konzerthalle wurde von Radio SRF 2 Kultur mitgeschnitten und am Donnerstag 6. Juni 2024 um 20 Uhr in der Sendung «Im Konzertsaal» ausgestrahlt. Nachhören können Sie diese auch in der App «Play SRF».

Besetzung
MASATO SUZUKI, Cembalo
SWISS ORCHESTRA
LENA-LISA WÜSTENDÖRFER, Leitung
Konzertprogramm
AUGUST WALTER (1821–1896)
Konzertouvertüre D-Dur op. 16
MARGUERITE ROESGEN-CHAMPION (1894–1976)
Concertino pour Clavecin et Orchestre No 1
JOHANNES BRAHMS (1833–1897)
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73
Konzerthalle
Andermatt
Anfahrt
Details zur Anreise finden Sie auf der Website von ANDERMATT MUSIC.
Barrierefreiheit
Die Andermatt Konzerthalle ist barrierefrei zugänglich. Rollstuhltickets erhalten Sie per E-Mail an info@andermattmusic.ch oder bei den Andermatt Alpine Apartments unter der +41 41 888 78 00.
Menschen mit eingeschränkter Mobilität werden die Sitzplätze auf dem Balkon empfohlen. Bei Kammermusikkonzerten und Konzerten mit Neuer Volksmusik wird in der Regel nicht tribüniert bestuhlt: Hier sind sämtliche Plätze stufenlos erreichbar.
Die Andermatt Konzerthalle verfügt über eine induktive Höranlage.
Garderobe
Abendkasse
Die Abendkasse öffnet 1 Stunde vor Konzertbeginn.
Einlass
Einlass in den Konzertsaal ist 30 Minuten vor Konzertbeginn. Verspäteter Einlass ist nur während des Applaus zwischen den Stücken und auf Anleitung des Saalpersonals möglich.
Ermässigungen
Ermässigungen gibt es für Kinder, Schüler*innen, Studierende und Lernende, für Urner*innen, Owner sowie Mitglieder des GotthardMemberClub. Details über die Vergünstigungen finden Sie hier.
Der vielseitige Musiker und Komponist Masato Suzuki ist am Dirigentenpult sowie als Cembalist, Pianist und Organist zu erleben. In dieser Saison kehrt er als Dirigent sowohl zum Yomiuri Nippon Symphony Orchestra als auch zum Tokyo Symphony Orchestra zurück und gibt sein Debüt beim NHK Symphony Orchestra, mit dem er in der vergangenen Saison Coplands «Symphonie für Orgel und Orchester» aufführte. Sein Repertoire ist facettenreich und umfasst Werke u.a. von Bach, Berlioz, Mendelssohn, Prokofjew, Rameau, Strawinsky und Takemitsu.
Für seine Premiere als Chefdirigent des Bach Collegium Japan wählte Suzuki Bachs «Johannespassion» und Monteverdis «L’Incoronazione di Poppea» aus; auf Tournee führte er das Ensemble zu den Thüringer Bachwochen und zum Barockfestival in Varaždin. 2019 veröffentlichte BIS Records die Gesamtaufnahme aller Cembalokonzerte von Bach, eingespielt von Suzuki mit dem Bach Collegium Japan, das er vom Spieltisch aus leitete. Nach seinem Debüt beim Edinburgh Festival mit Musikern des Dunedin Consort dirigierte Suzuki erstmals das Singapore Symphony Orchestra und die Academy of Ancient Music in London. Solabende sowie Auftritte als Kammermusiker gestaltete er u.a. beim Chofu International Music Festival – dessen künstlerischer Leiter und Executive Producer er ist –, beim Schleswig-Holstein Musik Festival und beim Verbier Festival. Mit der Aufführung der drei Gambensonaten von Bach, die 2019 bei Harmonia Mundi veröffentlicht wurden, setzt er seine Zusammenarbeit mit dem Bratschisten Antoine Tamestit fort.
Suzuki studierte Komposition und Alte Musik an der Universität für Schöne Künste und Musik in Tokio, bevor er Orgel und Improvisation am Königlichen Konservatorium in Den Haag studierte.
Für alle, die Schweizer Sinfonik nicht nur hören, sondern
leben
Exklusive Vorteile geniessen, Einblicke hinter die Kulisse bekommen & Gutes tun

